Alfa Romeo Giulia Giardinetta Colli

Alles klar Herr Komissar?

Alfa Romeo Giulia Super Giardinetta Colli


Wenn die Geschichte schon mit Blaulicht beginnt.


Rom, Ende der 1960er-Jahre.


Auf der Autostrada ist Italien längst im Aufbruch. Das Straßennetz wächst, die Autos werden schneller und Alfa Romeo gehört zum Straßenbild wie Espresso und die Autogrill-Schilder am Rand der Autobahn. Mittendrin: die Autostrade Concessionaria. Und eine Giulia, die selbst unter ihren Schwestern eine Ausnahme bleiben sollte. Diese Alfa Romeo Giulia Super Giardinetta Colli wurde nicht für den sonntäglichen Ausflug bestellt. Ihre frühe Geschichte führt nach Rom und in den Dienst als Servicefahrzeug auf der italienischen Autostrada. Das erklärt auch, warum sie heute so aussieht, wie sie aussieht. Das tiefe Grün. Und natürlich das blaue Rundumlicht auf dem Dach. Details, die bei diesem Auto keine Dekoration sind, sondern Teil seiner Identität.


Eine Giulia Giardinetta für die Autostrada.


Die Basis entsteht am 25. September 1967 bei Alfa Romeo. Eine Giulia Super, Typ 105.26, Fahrgestellnummer AR865548.

Nur drei Tage später, am 28. September 1967, wird sie nach Rom ausgeliefert. Doch eine gewöhnliche Giulia Super sollte sie nicht bleiben. Die Karosserie wird zur Giardinetta umgebaut – jener seltenen Kombiversion, die mit der Carrozzeria Colli verbunden ist und heute zu den ungewöhnlichsten Varianten der gesamten 105er-Baureihe zählt. Nur rund 160 Exemplare sollen entstanden sein.

Die Gründe für diese Karosserieform waren damals weniger romantisch als heute. Der Einsatz auf der Autostrada benötigte Platz. Für Ausrüstung. Für Material. Für all jene Dinge, die eine normale Giulia zwar schnell, aber nicht unbedingt komfortabel transportieren konnte. Die Lösung war typisch italienisch: Man baute einen Kombi. Und ließ ihn aussehen wie einen Alfa Romeo.


Autostrada. Roma.


Heute genügt eigentlich ein Blick auf das Auto, um zu verstehen, warum seine Geschichte so faszinierend ist. Vorne die vier Scheinwerfer der Giulia Super. Dazwischen das schmale Alfa-Herz. Darüber die lange Motorhaube mit den historischen Kennzeichnungen. Und ganz oben jenes Detail, das jede Diskussion beendet: das blaue Rundumlicht. Von der Seite offenbart sich dann, was diesen Wagen wirklich außergewöhnlich macht. Hinter den hinteren Türen endet die Giulia nicht. Das Dach läuft weiter, die Seitenlinie bleibt erstaunlich leicht und erst ganz hinten schließt die nahezu senkrechte Heckklappe die ungewöhnliche Silhouette ab. Ein Servicefahrzeug, sicherlich. Aber eines mit Holzdekor am Armaturenbrett, Twin Cam unter der Haube und einer Eleganz, die man einem Autobahn-Servicefahrzeug eigentlich nicht zugestehen dürfte. Sehr viel italienischer kann ein Dienstwagen kaum werden.


Die Geschichte der Giulia Super Giardinetta.


Das Besondere an dieser Giardinetta ist nicht nur ihre seltene Karosserie. Es ist die Geschichte, die sie mitbringt. Das Certificato di Origine des Alfa Romeo Centro Documentazione dokumentiert Produktion und Auslieferung. Historische italienische Fahrzeugunterlagen begleiten ihre weitere Biografie. Nach ihrer Zeit in Rom führt der Weg Anfang der siebziger Jahre nach Florenz. Später bleibt sie viele Jahre bei einem Besitzer, bevor sie Mitte der neunziger Jahre Italien verlässt.Niederlande. England. Deutschland. Fast sechs Jahrzehnte europäische Automobilgeschichte lassen sich anhand der vorhandenen Unterlagen nachvollziehen. Und irgendwo auf diesem Weg wird aus einem Arbeitsgerät ein Sammlerstück.


Ein zweites Leben.


2001 gelangt die Giardinetta nach Großbritannien zu Black & White Garage, einem Spezialisten für klassische Alfa Romeo.

Dort beginnt eine umfassende Restaurierung. Die Karosserie erhält wieder ihr charakteristisches Grün. Der Innenraum wird erneuert, ebenso Himmel und Teppiche. Fahrwerk und Bremsanlage werden überarbeitet. Der ursprünglich verbaute 1600-cm³-Motor war nicht mehr zu retten. An seine Stelle tritt ein originales Alfa-Romeo-1750-Twin-Cam-Triebwerk. Ein Detail, das für die Geschichte des Fahrzeugs offen benannt werden muss. Und eines, das man spätestens nach den ersten Kilometern ziemlich schnell verzeiht. Denn eine Giulia wurde nie dafür gebaut, nur betrachtet zu werden.


Es gibt Details an historischen Automobilen, die man erklären muss. Und es gibt Details, bei denen man einfach stehen bleibt. Das blaue Rundumlicht dieser Giardinetta gehört zur zweiten Kategorie. Es verändert das ganze Auto. Ohne dieses Detail wäre sie bereits eine der seltensten Giulia-Varianten überhaupt. Mit ihm wird ihre Vergangenheit sichtbar. Plötzlich kann man sich vorstellen, wie dieser Wagen vor Jahrzehnten durch Rom fuhr. Zwischen Fiat 500, Vespas und Autobianchi. Vielleicht auf dem Weg hinaus zur Autostrada. Twin Cam vorne, Serviceausrüstung hinten. Was damals schlicht ein Arbeitsgerät war, wirkt heute beinahe surreal.


2016 kommt die Giardinetta nach Deutschland. Es folgen weitere technische Arbeiten. Motor, Fahrwerk, Hinterachse und Bremsanlage werden überarbeitet. 2018 erhält das Fahrzeug nach Vollabnahme schließlich seine deutsche Zulassung mit H-Kennzeichen. Heute steht sie wieder so da, wie man sich ein solches Automobil wünscht. Nicht steril. Nicht ihrer Vergangenheit beraubt. Sondern mit genau jenen Details, die erzählen, was dieses Auto einmal war. Vielleicht die ungewöhnlichste Giulia.


Denn diese Giardinetta vereint vieles, was klassische Automobile faszinierend macht. Eine außergewöhnlich seltene Karosserie. Eine dokumentierte europäische Geschichte. Und vor allem eine Vergangenheit, die man ihr heute noch ansehen kann.

Man muss kein Alfa-Romeo-Kenner sein, um vor diesem Auto stehen zu bleiben.


Aber wahrscheinlich wird man einer, nachdem man seine Geschichte gehört hat.

FAHRZEUGDETAILS


Fahrzeugstand

Historisches Autostrada-Servicefahrzeug

Kilometerstand

37.205 km (abgelesen)

Erstzulassung

16.02.1968

Hauptuntersuchung

HU 08/2027 mit H-Zulassung

Farbe (Hersteller)

Verde Muschio AR732

Kraftstoffart

Benzin

Hubraum

1.779 cm³

Leistung

87 kW (117 PS)

100.000 €

*Fahrzeug wird im Kundenauftrag angeboten.


Unser Fazit: Diese Alfa Romeo Giulia Super Giardinetta Colli ist weit mehr als eine seltene Variante der 105er-Baureihe. Ihre Herkunft aus Rom, die Geschichte als Servicefahrzeug auf der italienischen Autostrada, die außergewöhnliche Colli-Karosserie und die umfangreiche Dokumentation machen sie zu einem besonderen Stück italienischer Automobilgeschichte.

Heute verbindet sie diesen historischen Hintergrund mit einem kräftigen 1750 Twin Cam, deutscher H-Zulassung und einem Auftritt, der unverwechselbar ist. Eine Giulia für Sammler – aber vor allem eine, die gefahren werden möchte.